Spieleveteranen
24Mar/10Off

Anatol und der Schnibbel of Podcast

Hi, Anatol hier.

Da ich häufig gefragt werde, wie der Podcast zustande kommt, hier ein paar Zeilen zur "technischen Genese". Ich arbeite auf einem MacBook Pro, aber es gibt jede Menge vergleichbare Software für Windows- und Linux-Rechner.

1. Erst zeichne ich unser Skype-Gespräch mit Wiretap Studio auf. So kann ich mein Headset und den Skypekanal gleichzeitig aufnehmen.

2. Anschließend importiere ich das File in Wavelab, ein Windows-Programm, das bei mir unter Parallels läuft. Wavelab ist ein mächtiges (und leider teures) Schnittwerkzeug, mit dem man chirurgisch in Audiofiles eingreifen kann. Die  kostenlose Alternative heißt Audacity - reicht dicke für die meisten Podcasts. Ich bin eben Wavelab gewöhnt.
Hier schneide ich den Podcast. Ich entferne Atmer, Stille und ein paar tausend "Ähs". Intro und Schlussgag werden separat gespeichert.

3. Die geschnittenen Files packe ich nun Ableton Live. Hier mische ich Musik, Intro und den Schlussgag (soweit vorhanden) zusammen. Das Ergebnis wird leicht komprimiert und mit einem EQ bearbeitet, weil die Skype-Qualität grausam ist.
Ableton ist ein grandioses, intuitives Tool zum Musikmachen - ihr solltet es ausprobieren. Als Alternative kann man die Audiomontage von Wavelab nutzen, oder auf Logic und Cubase zurückgreifen.

4. Anschließend rechne ich das Wave-File mit Switch in ein MP3-File um. Einstellung "96" reicht für die meisten Podcasts aus.

Ihr seht schon: Ein ziemliches Gewürge, aber für mich ist der Workflow durchaus okay. Für das Schneiden und bearbeiten brauche ich pro Folge maximal vier Stunden. Inzwischen gibt es auch All-in-One-Podcast-Lösungen, die interessant sind (z.B. Übercaster).

Außerdem darf ich noch auf das Buch von Annik "Schlaflos in München" Rubens empfehlen, die ein sehr nettes und fundiertes Buch über Podcasting geschrieben hat.

Posted by Anatol

Comments (27) Trackbacks (0)
  1. Oh, das ist ja wirklich ne Menge Aufwand:)

    Eine Idee hab ich noch zur Verbesserung der Audioqualität mit Ableton:
    Du könntest zusätzlich zum EQ noch einen Kompressor und einen Limiter in den Masterkanal legen. Reihenfolge: EQ, Kompressor, Limiter (im Prinzip also die simpleste “Masteringkette”).
    Der Kompressor gleicht die Unterschiede zwischen leisen und lauten Passagen/Signalen an und vieles wird so verständlicher.
    Idealerweise nimmst Du sogar statt des normalen Kompressors den “Multiband Dynamics” aus dem Ableton, der komprimiert für Höhen, Mitten, tiefen getrennt und das Audiosignal “pumpt” dadurch nicht so.
    Für Signale ohne richtige Tiefen (wie z.B. Skype-Mitschnitte) könntest Du vor der Masteringkette noch ein Plugin wie “BBE Sonic Maximizer” einsetzen, das erzeugt auf digitalem Wege analoge “Wärme”. Ganz großartiges Stück Software.

    • Multibandkompressor ist seit droben, EQ ebenso, und ohne Limiter gehe ich nicht aus dem Haus. Den BBE Sonic Maximizer probiere ich aus, danke für den Hint.

      Was die Sache tückisch macht, ist die anschließende MP3-Kompression auf 96 Kbit für das Masterfile. Das ist, als würde man ein Model zum Fotoshooting aufbrezeln, um sie anschließend mit einer Kinderkamera zu knipsen. Aber Ihr wollt Euch ja nicht an 1-Stunden-Files im 24/96-Format totladen, oder? ;-)

  2. Nach Punkt 4 ist dir ein Tippfehler passiert: Ihr sehr schon…

  3. Finde ich ne sehr coole Zusammenfassung – mir fehlt nur noch ne Info über die verwendete Hardware zur Soundaufzeichnung. Nutzt ihr Headsets? Richtige Mikros?

    • Die Kollegen nutzen ganz normale Gaming-Headsets, so weit ich weiß. Tontechnisch ein Graus, aber bei der Skype-Qualität reicht’s dicke aus.

  4. Eine Woodruff-Referenz! Genau das, was man von Veteranen erwartet. Kudos!

  5. Danke für die doch etwas schockierenden Einblicke in die Entstehung der Podcasts. Ich hätte nie gedacht, dass das so eine Heidenarbeit ist, bzw. hab noch nie so richtig drüber nachgedacht. In Zukunft werde ich die Podcasts mit mehr Erfurcht anhören.
    Vier Stunden… wei oh wei…

  6. Für Linuxuser kann ich das Ubuntu-Studio empfehlen.

    de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu#Ubuntu_Studio

  7. Okay, ja dann macht das natürlich sinn. Hab gerade übrigens meine alte Recordingkiste ausm Keller geholt. Windows 2000 SP2 und satte 30GB SCSI Platte als Software war noch Goldwave drauf…ein Traum von Software…bevor Adobe die als Audition total verhunzt hat.

    Bernd, ich persönlich find Skype wirklich einfacher zu handlen. Du kannst, theoretisch ganz easy wen mit in die Konferenz einladen…und nicht vergessen das sind alles alter Leute hier ;-)

    • @CptKewl: Du verwechselst Goldwave mit Cool Edit. Und Audtion kann extrem viel. Also ich benutzte Wavelab zum Recorden und Audtition zum schneiden, weil es dort wesentlich schneller geht als mit Wavelab! Ist aber auch nur ne Sache des pers. Geschmacks! ;)

      • Du hast völlig Recht….das die Software viel kann mag mittlerweile sein. Die erste Version von Audition die ich in der Hand hatte, war irgendwie ziemlich träge im Handling….sodass ich es dann wieder in die Tonne gekickt hab.

        Das von Anatol gepostete Ubercast sieht recht nett aus, leider kein Windowsport verfügbar. Schön wären da X-Lizenzen. Vieleicht kommt das irgendwann…Valve scheint ja auf einem anderen Sektor damit schonmal anzufangen.

        • Die erste Version von Audition war doch im wesentlichen eine “umetikettierte” Fassung von Cool Edit Pro. Syntrillium raus, Adobe rein …

          Ärgerlich ist für mich vor allem, daß die Version 3 zwar schöne neue Funktionen bekommen hat, dafür aber aus Kostengründen für mich wichtige Sachen rausgefallen sind – etwa der MP2-Import, geht nur noch über den Umweg via Premiere.

  8. Warum generierst du das MP3 nicht direkt aus Wavelab? Oder geht das bei den neueren Versionen nicht mehr?
    @Bernd Serafin

    TS3/Muble benötigen ja einen “zentralen” Server. Skype oder GoogleTalk/MSN sind da einfach besser. Zumal Skype ja auch für alle gängigen Desktopbetriebssystem zur verfügung steht.

    Das redmondsche Engagement hält sich da ja in grenzen…aus offensichtlichen Gründen

    • TS3 oder Mumbleserver sind doch schnell eingerichtet, hab selbst ständig jeweils einen am laufen. Falls also Bedarf besteht :-D. Wäre die Qualität denn überhaupt besser?

      Bin mir nicht sicher für was es alles Skype gibt, Mumble und TS3 gibt es jedenfalls für Windows, Linux und Mac OS X.

    • Hi Cpt,

      Der Grund ist ganz simpel: Skitch ist schneller, da Wavelab den “Umweg” über Parallels nehmen muss. Ab Wavelab 7 kann ich mir dann einen Schritt sparen, weil das erstmals auch nativ auf Mac läuft.

  9. Wow, wenn ich mir Jörgs Monologe jetzt auch noch ungeschnitten vorstelle… Danke fürs Schneiden Anatol! ;)

  10. …danke für die viele technische Arbeit.

  11. sehr interessant… :-)

  12. @Anatol: Da du dich so gut mit diesen Sachen auskennst, hab ich mal ne kleine Frage an dich. Gibt es eine Möglichkeit mehrere kleine MP3 Dateien aneinander zu hängen? Mein “Problem” ist ein kostenloses Hörbuch, was aus 20 je 4 min. kleinen MP3 Dateien besteht und ich würde diese gerne “zusammen setzen”. Hoffe du hast einen kleinen Tipp für mich.

    • Klar: Nimm Audacity, öffne die MP3-Files, markiere und kopiere sie, und paste sie in ein File. Dann neu rendern lassen – feddisch. Wird einen kleinen Audioverlust geben, weil die Files neu gecodet werden, ist aber IMHO vernachlässigbar.

    • Noch einfacht Foobar2000: Drag & Drop der Dateien in das Fenster. Markieren der Dateien, Rechte Maustaste, Convert und dann auf die Funktion “Merge all Tracks into one output file. Schneller als mit Audacity.

  13. Wow, hätte auch nicht gedacht das es so viel Arbeit für dich ist.

    Eine unbearbeitete Version wäre mal witzig……………….hmm oder vielleicht doch besser nicht?

    Warum benutzt ihr Skype, wäre zum Beispiel Mumble oder TS3 nicht besser?

  14. Danke für die interessanten Infos. Ich denke, ich habe den Schnitt etwas unterschätzt, vor allem die Anzahl der “Ähs”, da das Endergebnis doch sehr natürlich wirkt (spricht für die Qualität deiner Arbeit).

    Ich hatte zum Beispiel beim “Padcast” (also Nr. 15) das Gefühl, als hättest du der kaum geschnitten.

    Danke für die Arbeit und weiter so!

    P.S.: Kurze Frage/Bitte: Ich würde gerne wissen, wieviele Dowloads ein Podcast von euch hat.


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